Neue Schritte – Bekanntmachung

Fräulein Stadtfein wird zum 23.12.2016 die Türen im Schopenstehl 23 für immer schließen. Meine erste Überschrift hieß „Geschäftsaufgabe“. Doch ich entschied mich für eine neue, denn ich sehe die Schließung von meinem Ladengeschäft nicht als „aufgeben“. Viel eher ist es das Ende eines Abenteuers und ein weitere Schritt in die Zukunft. Ich habe in den Jahren so viel gelernt, persönlich wie beruflich. All diese neuen „Skills“ hätte ich nie erworben, wenn ich mich nicht zu meinem Lädchen entschlossen hätte.

Vor über drei Jahren wuchs in mir der Gedanke an ein eigenes Geschäft. Ich liebe die Mode und die besondere Bekleidung. Dass meine große Liebe die 50er Jahre sind, liegt an meiner Vergangenheit, meiner Familie und den Filmen aus dieser Zeit. Deswegen war für mich klar, dass ich, wenn ich Bekleidung verkaufe, nur die Kleidung anbieten möchte, die aus dieser großartigen Modeepoche stammen könnte. Ich wollte Mode verkaufen, welche die Figur der Frauen unterstützt und das Schöne an den Frauen herausarbeitet. Eine Mode, die besonders, klassisch und nicht Mainstream ist.

Schon immer habe ich eine Schwäche für Mode gehabt. Während sich in der Grundschule meine Mitschüler ihre Sachen von ihren Müttern herauslegen ließen, musste mein Vater mir zeigen wie man eine Krawatte bindet weil ich mir in den Kopf gesetzt hatte, dass eine Krawatte doch wirklich ein tolles Accessoire ist, auch wenn ich den Begriff „Accessoire“ mit Sicherheit noch nicht kannte. Da ich mich nicht nur für die Mode, sondern genauso sehr für Menschen interessiere, war für mich der Schritt zum eigenen Lädchen irgendwie logisch. Ich wollte die Frauen erreichen, die meine Passion teilen. Ich wollte beratend zur Seite stehen und gemeinsam mit meinen Kundinnen herausfinden, wie wir ihre Schönheit unterstreichen können und in welchen Kleidern sie sich wohlfühlen.

Am liebsten waren und sind mir die Kundinnen, die strahlend vor dem großen Spiegel standen, bzw. stehen und sich drehen. Plötzlich schwingt der Rock ganz herrlich um die Beine und die eigene Taille wird entdeckt. Frauen mit weiten Shirts, die von der Brust abwärts einfach nur herunter hängen, finden heraus wie toll es aussehen kann die eigene Oberweite mit Stil zu zeigen. Oft hatte ich leider auch Kundinnen, die ganz wunderschön in einem Kleid aussahen, aber nur ihre „Schwachstellen“ gesehen haben und sich so gar nicht wohlgefühlt haben. Ob ws daran liegt, dass sie sich in ihrer Haut nicht wohlfühlen? Da kann auch kein Kleid helfen, da will nur kaschiert werden. All diesen Damen wünsche ich, dass sie irgendwann das im Spiegel sehen, was ich vor dem Spiegel gesehen habe.

Nach so vielen Stunden in meinem Lädchen habe ich erkannt, dass ich die meiste Freude an der Beratung habe. Wenn tatsächlich einmal der Fall eintraf, dass wir so gar nichts Passendes gefunden haben, habe ich Euch weiter in andere Läden geschickt. Das tat und tue ich, weil es mir wichtig ist, dass Ihr Euch wohl fühlt. Natürlich hätte ich versuchen können Euch wenigstens ein Oberteil oder Accessoire anzudrehen, aber das passt nicht zu meiner Philosophie. Ich bin keine Hochdruckverkäuferin und werde auch nie eine sein. Nie könnte ich eine Kundin in ein Kleidungsstück quatschen nur um Umsatz zu machen. Das ist gut für Euch, gut für mein Gefühl, aber schlecht für das Geschäft. Denn bei aller Passion und Beratungsfreude muss in einem Ladengeschäft selbstverständlich auch genügend Umsatz gemacht werden.

Deswegen habe ich mich dazu entschlossen, den stationären Handel in einem der schönsten Viertel in Hamburg aufzugeben. Es hat mir viel Freude gemacht in meinem Lädchen zu stehen, so viele großartige Kundinnen zu haben, mit Euch zu klönen und was das Schönste ist, ich habe viele tolle Frauen kennen gelernt, die ich ohne Fräulein Stadtfein wahrscheinlich nicht kennen gelernt hätte. Viele tolle Freundschaften sind entstanden. Ihr habt mich in meinem Lädchen besucht und mich an Eurem Leben teilhaben lassen.

Ich durfte ins Fernsehen (sogar live) und habe Artikel in Zeitschriften und Zeitung bekommen. Ganz besonders toll war der persönliche Zuspruch. „Wie damals zuhause!“ oder „Wie bei meinen Großeltern“ waren Sätze, die ich immer wieder hörte und über die ich mich gefreut habe.

Das Lied der kleinen individuellen Lädchen möchte ich hier und heute nicht anstimmen, auch wenn ich den Text sehr gut kenne. Wie schwierig es sein kann, wenn man neben den Ketten und großen Onlinehändlern bestehen will, wusste ich vorher. Allerdings kam mir nicht im Geringsten die Idee, dass sich Kundinnen bei mir durch die Kleider probieren und beraten lassen könnten um dann „heimlich“ das Etikett zu fotografieren und dann online bestellen. Mein Rat an diese Kundinnen: Das nächste Mal, wenn Ihr das in einem kleinen Lädchen macht, schaltet das Smartphone auf lautlos, dann macht die Kamera auch keine Geräusche. Oder noch besser: Gebt ein paar Euro mehr aus, kauft das Kleid im stationären Handel und unterstützt die Ladenbesitzer. Diese kleine Textzeile sei mir erlaubt und verziehen.

Es geht weiter.

Fräulein Stadtfein und ich werden nicht einfach so sang- und klanglos verschwinden. Es wird nach und nach Neuigkeiten geben. Ich werde mich neu aufstellen und ich werde Euch auf dem Laufenden halten. Alle Neue erfahrt Ihr auf den bekannten Wegen im Internet oder auch im „echten Leben“. Wer möchte, kann mich die letzten Wochen gerne auf meinem Blog auf www.frl-stadtfein.de begleiten. Kommt mich weiterhin besuchen und macht mir den Abschied so schwer als möglich.